Autobiografien & Chroniken

 

Alina Schmidt

Damals in Odessa


Am 5. Mai 1963, in Odessa ein strahlender Frühlingssonntag, lernt die junge Russin Alina den gleichaltrigen Deutschen Rudolf Schmidt kennen. Sie ist auf dem Weg zu ihrer Arbeit als Platzanweiserin im Kino. Er ist gerade mit dem Bus in der Stadt angekommen, um hier als Konditor anzufangen. Als Rudolf – blond, meerblaue Augen, hinreißendes lausbübisches Lächeln – die junge Frau an jenem Nachmittag auf der berühmten Potemkinschen Treppe anspricht, ist die Zukunft der beiden besiegelt: Sie heiraten nur vier Monate später. 1971 gehen sie mit ihrer kleinen Tochter nach Deutschland, wo sie noch einmal ganz von vorn beginnen und in Reutlingen sesshaft werden. Hier eröffnen sie nach einigen Jahren sogar eine eigene Konditorei. Jetzt erzählt Alina Schmidt die berührende Geschichte ihrer großen Liebe. Dabei skizziert sie auch das bittere Schicksal von Rudolfs Familie unter stalinistischer Herrschaft: Der Vater wird 1937 von den Sowjets erschossen. Den Bruder deportiert man 1941 in ein Arbeitslager nach Kasachstan. Rudolf wird den Makel, Deutscher zu sein, nie los, und Alina erlebt, wie sich ihre eigene Familie nach der Heirat von ihr abwendet. „Fremdheit, in der Sowjetunion und in Deutschland, war lange das bestimmende Gefühl in unserem Leben“, resümiert die nunmehr 73-Jährige. „Aber ich habe auch sehr viel gesehen, und ich hatte einen guten, treuen Mann.“


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Biografikon verfasste die Lebensgeschichte nach Gesprächen mit der Autorin, übernahm Satz, Layout und Herstellung.